Montag, 21. Juli 2014

Im Zentrum der Peripherie

Steigt man in Kaulsdorf Nord aus der U-Bahn und quert die Hellersdorfer Straße in Richtung des Clara Zetkin Platzes so steigen der Blutdruck und die Bodenrichtwerte der Investorenherzen und  Spekulationsnieren gen Spree-Center von 130 auf 700 Euro den Quadratmeter an.

Wir befinden uns dann im Zentrum des peripheren Berlins, am randständigen und abgeschnittenen Ende eines antiken Stadtplans der ungeteilten Hauptstadt: in Marzahn-Hellersdorf. Und genau hier am aktuellen Differenzwert von 570 Euros werden wir nach einigen Bodenbetrachtungen und Richtwertanalysen für GRUND UND BODEN tätig werden. Der Vergleichswert zum Pariser Platz ist mit 25.000 Euro den Quadratmeter ein klares Signal dafür, dass es hier in Hellersdorf noch Spielräume auszuloten gilt.

Mittels Planierwalzen und Pigmenten - sowie dem Dreck der Straßen - bilden wir den Boden zu Quadratmeterpreisen auf hochwertigen Büttenpapier ab. Und verkaufen das abgebildete Wertgefüge zu den ortsüblichen und gestrengen Preisen der aktuellen Bodenrichtwertkarte.


Denn nicht der Künstler - die Lage macht den Preis.

Voraussichtlich vom 23. - 25. Oktober 2014 sind wir mit der Planierwalze unterwegs und drucken uns von Kaulsdorf-Nord über die Neue Grottkauer Straße und den Cottbusser Platz bis nach Hellersdorf vor. Entlang der Hellerdorfer Straße erstellen wir für markante oder spekulative, anekdotische oder sonstwie auffällige Straßen- und Plattenbauzüge Bodenprofile zusammen, die an den neuraligischen Punkten der U-Bahnstationen im Projekt WAS IST DRAUSSEN? ausgestellt werden.

Unsere performative Bodenrichtwertuntersuchung in Marzahn-Hellersdorf bewegt sich zwischen den Zentren der Peripherie und legt dabei offen, was der Wert der örtlichen Lage ausmacht.

Kommunale Gutachterausschüsse ermitteln nach den örtlichen ökonomischen Bedingungen und Gegebenheiten die Quadratmeterpreise und legen damit für jeweils ein Jahr den Wert des Grund und Bodens fest, den man zu bezahlen hat, so man denn dort bauen will, kann oder darf…

Die Sprengkraft dieser Wertfindung, die eine „Lage“ zu einer guten oder zu einer schlechten macht, ist evident. Dieser Festlegungsprozess ist nach deutschem Recht eine von den Gesetzen des Marktes bestimmte Fixierung , die es ökonomisch zu ermitteln gilt und die ausdrücklich nicht nach sozialen oder gesellschaftspolitischen Erwägungen festgelegt wird!

Die Bodenrichtwertkarten bemessen sich nach der Höhe der Mieten, den erzielten Preisen durch Verkäufe und definieren alljährlich den Wert der „Lage“. Was ist „in“ und wo fängt „out“ an? Wo exakt verlaufen die Demarkationslinien ermittelter Wert-Zentren und wie weit „draußen“ liegt die Peripherie?  Wem gehört sie? Und wie kann man die kapitalen und geldwerten Spekulationsgrenzwerte sichtbar machen?

Und genau daran arbeiten wir gerade.

Ruppe Koselleck und Susanne von Bülow für
GRUND UND BODEN

Im Zentrum der Peripherie wird von der neuen Gesellschaft bildende Kunst gefördert und findet im Rahmen von Kunst im Untergrund statt.

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